Detlef Heese ist Initiator und Teil des Oragateams und Jessica Lyschik, die das Wordcamp Osnabrück organisieren.

Einfach mal
Danke sagen

WordPress-Verliebt

Mit Ella hatte Detlef Heese sein erstes Mal, mit der WordPress-Version 2.1 fing alles an. Das war 2007 – Kyrill fegt über weite Teile Europas hinweg, Deutschland erhöht die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent und die Blogsoftware mausert sich ganz allmählich zu einem ernstzunehmenden Content Management System. Detlef ist hin und weg.

Nun, 13 Jahre später, holt er mit dem Orga-Team um Jessica Lyschik die Community um das weltweit bekannteste CMS in Form eines WordCamps ins beschauliche Osnabrück. Warum sich Detlef für WordPress und seine Macher so engagiert und was er sich von einem WordCamp im dünn besiedelten Nordwesten Deutschlands verspricht, erzählt er im folgenden Interview.

 


 

Detlef, du bist jetzt schon einige Jahre als WordPress-Aktivist unterwegs. Ist es nicht langsam Zeit für ein Wapuu-Tattoo auf der linken Brust?

Detlef  /// (lacht) Eigentlich hast du recht. WordPress war von Anfang Herzenssache für mich. Als ich das CMS kennengelernt habe, gab es ja noch echtes WordPress-Bashing. Da hieß es von Entwicklerseite oft: „WordPress? Lass mal, nimm TYPO3, Drupal …“ Aber mein Herz sagte mir was anderes. Ich hatte keine große Ahnung, aber ich kam mit dem System gut klar, ich fühlte mich mit WordPress vom Herzen her gut.

 


 

Lag das an den Leuten hinter den Kulissen? Schließlich wird WordPress auf den Schultern einer der weltweit größten Communitys getragen.

Detlef  /// Mein Kontakt mit der WordPress Community kam erst viel später. Ich glaube 2012 war ich auf dem ersten sogenannten WPCamp in Berlin. Und richtig los ging es dann 2013 mit der Gründung von HASEGOLD, weil ich dadurch mehr Zeit hatte, mich um WordPress zu kümmern. Den Freiraum habe ich mir quasi in den Gesellschaftervertrag schreiben lassen. Im gleichen Jahr war ja auch das erste WordCamp Europe in Leiden, also Holland. Da hat es bei mir dann wirklich klick gemacht. Da war Matt Mullenweg, der Mitbegründer von WordPress, der von genau dieser Community sprach und davon, dass jeder in irgendeiner Form zu dieser beitragen kann.

Ich kann aber nicht coden, ich kann vielleicht übersetzen, natürlich designen und auch ganz gut organisieren. Also habe ich mir gesagt: „Dann organisiere ich eben was.“ Deshalb habe ich auf dem WPCamp in Berlin kundgetan, dass ich ein MeetUp, also ein monatliches Treffen, für Osnabrück organisieren möchte. Ich musste nicht lange warten, da standen plötzlich Daniel Hüsken und Tobias Lamprecht vor mir und meinten: „Hey, wir haben gehört, du willst da was machen? Wir machen mit!“


 

Was ist das Besondere an dieser Community, von der Matt Mullenweg spricht?

Detlef  /// Ich bin seit damals ja eigentlich auf fast jedem WordCamp in Deutschland und den EU-Camps. Und was mich nach all den Jahren noch immer vom Hocker reißt, das ist dieser Open-Source-Gedanke, der einen ganz anderen Umgang fördert, als ich ihn beispielsweise von der Fotografen-Gilde kennengelernt habe.

Im Fotodesign-Studium haben wir uns noch bis aufs Blut darum gestritten, ob das nun ein gutes oder schlechtes Bild ist. Ob das Foto davor oder danach in die Reihe passt oder ob man das ganz anders darstellen muss. Über jedes kleine Detail haben wir abendelang diskutieren können. Aber nach dem Studium hast du vielleicht noch deine besten Freunde, mit denen du dich darüber unterhältst, wie du ein Bild besser machen kannst, sonst erzählt dir das niemand. Da ist maximal Kameratechnik ein Thema, aber das war’s auch schon.

Auf den WordCamps habe ich dagegen eine ganz offene Community kennengelernt, die alle daran interessiert waren, was du machst, dir geholfen – was gezeigt haben. Man kann eigentlich jeden Tag aufs Neue danke, danke, danke sagen, dass irgendjemand irgendeinen Terminplaner oder irgendein anderes Plugin entwickelt und vollkommen kostenlos zur Verfügung stellt.

Es gibt natürlich immer die Pappenheimer, die nach einer wohlmeinenden Empfehlung für diesen Hoster oder jenes Plugin bei jedem klitzekleinen Problem gleich angebissen reagieren und auch noch kostenlosen Support auf Lebenszeit einfordern. Diese Hilfsbereitschaft also gar nicht wertschätzen und sich auch nicht die Mühe machen, selbst einmal genauer hinzuschauen. Aber insgesamt sind es tolle Menschen in der Community. Das finde ich total begeisternd und das gebe ich auch gern wieder zurück.


 

Wieso gerade in Form von MeetUps und WordCamps?

Detlef  /// Es gibt ja diese 5-Prozent-Regel, dass man 5 Prozent seiner Zeit auch wieder zurückgeben sollte – sei es als finanzielle Unterstützung, sei es als Zeit. Und die Organisation der MeetUps und der WordCamps in Soltau wie hier in Osnabrück ist meine Art, der Community etwas zurückzugeben. Das liegt mir. Ich schubse Dinge gerne an, bringe etwas auf den Weg.

Es gibt in der Community Entwickler, Designer und was weiß ich nicht alles. Mit meinem journalistischen Hintergrund bin ich halt der Improvisierer. Das ist nicht angeboren, aber durch die Zeitungsarbeit gepusht. Wenn mich die Zeitung für ein Foto zur Bundeskanzlerin schickt und da sollen die, die und die Abgeordneten gemeinsam drauf sein, dann muss ich mir die Leute schon schnappen. Und natürlich muss ich sie auch arrangieren, ihnen was in die Hand geben, damit das auch ein geiles Foto wird – improvisieren eben.

 


 

Auf welches Interesse stößt denn das Camp hier vor Ort?

Detlef  /// Natürlich ist Osnabrück für mich persönlich ein Traum. Wir waren nach den ganzen Großstädten wie Köln, Hamburg oder Berlin das erste kleinere WordPress MeetUp in Deutschland. Aus diesen anfänglichen Gehversuchen hat sich über die Zeit eine feste Gemeinschaft entwickelt, die auch auf anderen Camps gemeinsam unterwegs ist. Mit dem WordCamp Retreat in Soltau, zu dem ich mit anderen ebenfalls den Impuls gegeben habe, hat sich mit Jessica Lyschik und vielen anderen der Meetup-Gruppe inzwischen ein kleines, aber tragfähiges Team herausgebildet, mit dem es eine echte Freude ist, so ein Camp für Osnabrück zu organisieren.

Unter den Besuchern werden sicherlich die üblichen Verdächtigen sein. Die Berliner sind in drei Stunden da, die Hamburger und Kölner in zwei Stunden, die Niederländer können ebenfalls ratzfatz hier sein. Wir haben jedoch auch schon Feedback von lokalen Sponsoren bekommen, wo wir merken: Da tut sich was! Die kommen von sich aus auf uns zu, ohne dass wir das WordCamp bislang an die große Glocke gehängt haben. Begegnung ist ein wesentliches Ziel des Camps und es würde mich freuen, wenn wir die Community hier vor Ort und den Austausch noch weiter stärken könnten. Klar, ist man zum Teil Wettbewerber, doch das muss uns ja nicht davon abhalten, gemeinsam und offen zur Sache zu diskutieren.


 

Was gehört für dich denn zu einem gelungenen WordCamp unbedingt dazu?

Detlef  /// Eigentlich ist ein WordCamp ganz einfach gestrickt: Es gibt einen Termin, es gibt einen Internetanschluss, einen Beamer und ein paar Leute, die etwas vorstellen. Ganz ohne T-Shirts, lecker Essen und das ganze Trallala – das reicht. So funktioniert letztlich ein Camp selbst in Emden oder Meppen. Allerdings fehlen dort bislang Organisationsteams, und es ist der Anspruch der Foundation , dass es ein Local Team Veranstalter sein muss. Das war für Soltau und das Konzept des Retreats zum ersten Mal anders.

Unabhängig davon wollen wir es natürlich auch richtig gut machen, deshalb hängen wir uns auch beim Design und beim Marketing so rein. Mit dem finanziellen Background der Foundation stehen uns selbst bei den Räumlichkeiten viele Möglichkeiten offen. Die Location beispielsweise ist super professionell. Das erwarten wir auch von den Workshops, aber die sind zum aktuellen Stand ja noch offen.


 

Nach so viel Erfahrung in der Organisation – wann traust du dich an ein WCEU?

 

Detlef  /// Da ist der Kelch dank der Berliner an uns vorübergegangen. In den nächsten zehn Jahren ist für Deutschland kein weiteres WordCamp Europe zu erwarten. Die Arbeit im Team der Organisatoren vom Wordcamp Osnabrück macht mir schon sehr viel Freude. Ich kann Daniel, Hanna, Johannes, Janin, Leefke, Marvin, Matthias, Torsten und vor allem Jessica nicht genug danken, dass wir uns auf den Weg gemacht haben ein WordCamp Osnabrück zu organisieren.


2018 /// Das Interview führte Matthias Blenk
Das Foto machte Jessica Lyschik

Das WordCamp Osnabrück findet im März 2019 statt. Leefke Krönke engagiert sich für die WordPress Community

Hasegold bei Tw.fb.Ig.
...

Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser, damit die Website korrekt funktioniert.

Sie sollten noch heute aktualisieren.