Was sind Dark Patterns?

Dark Patterns sind manipulative Designelemente in Websites, Apps und digitalen Oberflächen, die Nutzer absichtlich zu Handlungen verleiten, die ihren eigenen Interessen widersprechen. Der Begriff beschreibt bewusst irreführende Benutzeroberflächen (UI), die psychologische Schwächen ausnutzen, um Klicks, Datenfreigaben, Käufe oder Abos zu erzwingen – im Gegensatz zu ethischem, transparentem Design.
Der UX-Experte Harry Brignull prägte den Begriff 2010 und fasste damit eine Sammlung von „Anti-Patterns“ zusammen, die aus der Softwareentwicklung stammen. Design Patterns sind hilfreiche Vorlagen zur Problemlösung (z. B. aus der Architektur übernommen); Dark Patterns hingegen verfälschen sie zur Täuschung. Sie knüpfen an gängige Bedienmuster an, nutzen Verhaltensökonomie (z. B. Loss Aversion, Heuristiken) und wirken subtil: Nutzer handeln „automatisch“, ohne es zu merken.
Dark Patterns funktionieren durch visuelle Irreführungen, psychologischen Druck und der Darstellung von Elementen, die einem Labyrinth gleichen. Dadurch soll verhindert werden, dass Benutzer*innen die für das Unternehmen schlechtere Entscheidung treffen – hierfür werden Buttons zum Ablehnen versteckt, den Weg zu Kündigungen erschwert und eine gefälschte Knappheit von Produkten und Angeboten hergestellt.
Aber nicht alle Gestaltungselemente, die beispielsweise durch Farbe, Größe oder Platzierung mehr Aufmerksamkeit erzielen, sind als Dark Patterns gemeint. Gewohnheiten von Benutzer*innen im Design zu verwenden ist eine gängige Praxis und werden dafür genutzt, Benutzer*innen effektiv und leicht anhand ihrer gewohnten Mustern durch die Website zu leiten. Bei den Dark Patterns werden diese Gewohnheiten hingegen nicht dafür verwendet, den Besucher*innen einer Website zu helfen, sondern um sie gezielt zu täuschen.
Hinweis: Dark Patterns sind teilweise strafbar
Einige manipulative Designs in Websites und Apps verstoßen gegen geltende Gesetze und können hohe Bußgelder nach sich ziehen. In Deutschland und der EU gelten sie als unlauterer Wettbewerb oder Verbraucherschutzverstoß, wenn sie Nutzer*innen täuschen oder absichtlich unter Druck setzen.
Ein prominenter Fall von Dark Patterns ist der Prozess gegen Amazon wegen der irreführenden Gestaltung der Prime-Mitgliedschaft – etwa 35 Millionen Nutzer*innen in den USA wurden dadurch versehentlich Mitglied und erhielten keine ausreichende Möglichkeit zur Kündigung. Amazon hat sich darauf geeinigt, eine Strafzahlung von 2,5 Milliarden Dollar zu zahlen.
Arten von Dark Patterns:
- Fake Scarcity / Urgency Eine künstliche Knappheit von Produkten oder Rabatten, indem man gezielt den „aktuellen“, knappen Produktbestand im Lager oder einen kurzen Countdown von Rabattaktionen in den Mittelpunkt stellt.
- Forced Action Benutzer*innen werden durch das Vorzeigen von Funktionen oder Produkten angelockt, müssen sich aber danach einer erzwungenen Aktion widmen, beispielsweise der Erstellung eines Kontos, um mehr zu erfahren.
- Roach Motel Gestaltungselemente werden so kompliziert dargestellt, dass sie wie ein Labyrinth wirken. Dadurch soll es Benutzer*innen erschwert werden, Schritte im Bestellvorgang wieder rückgängig zu machen oder sich ausreichend Informationen vor einer Bestellung zu holen. Auch wird durch das Dark Pattern des Roach Motels eine Kündigung von Abos erschwert, um Benutzer*innen davon abzuhalten – so auch im Fall vom Amazon.
- Sneak into Basket Es werden ohne Zustimmung der Benutzer*innen Zusatzprodukte in den Warenkorb gelegt in der Hoffnung, dass diese beim Bestellprozess unentdeckt bleiben und mitverkauft werden.
- Disguised Ads Werbungen sind nicht als Werbung gekennzeichnet und wirken durch die Darstellung als Bild oder Button wie ein Teil der Website – so sollen die Benutzer*innen ohne ihres Wissens auf andere Websites weitergeleitet werden.
- Confirmsharing Es soll ein Abbruch des Bestellvorgangs oder das Verlassen der Website verhindern werden, indem man negative Emotionen hervorruft. Zum Confirmsharing gehören Aussagen beim Ablehnen oder Abbruch einer Aktion wie: „Nein, ich möchte tolle Angebote verpassen“ beim Newsletter, „Nein danke, ich bezahle lieber den vollen Preis“ bei Rabattaktionen oder „Bist du sicher? Du verlierst viele Vorteile!“ bei Kündigungen.
Wie schützt man sich vor Dark Patterns?
Es gibt bestimmte Verhaltensmuster bei der Anwendung von Websites, die verhindern können, von einem böswilligen Dark Pattern betroffen zu sein. Vorsicht gilt besonders bei unbekannten Websites, die zuvor noch nie besucht wurden – hier ist die Gefahr am höchsten. Beim Besuch solcher Seiten helfen vor allem folgende Schritte:
- Erst lesen, dann klicken Achte zuerst auf Texte statt auffälliger Buttons. So erkennst du, wozu du zustimmst, z. B. beim Teilen von Daten in Cookie-Bannern.
- Warenkörbe kontrollieren Vor dem Abschluss den Korb genau kontrollieren: Sind nur selbst gewählte Produkte drin? Unerwünschtes jetzt entfernen ist einfacher als spätere Reklamationen.
- Druck ignorieren Countdowns (z. B. nur eine Stunde) oder angebliche Lagerknappheit erzeugen künstlichen Druck. Ignoriere das – oder prüfe, ob andere Produkte ähnlich „knapp“ sind.
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